Wurden Deine Eltern verschickt? Missbrauch in den Ferien

Von den 50er bis in die 90er Jahre schickten viele Eltern ihre Kinder in Deutschland für mehrere Wochen auf Kinderkur – im Glauben ihnen etwas Gutes zu tun. Jetzt melden sich immer mehr dieser “Verschickungskinder” von damals zu Wort, die bei solchen Ferienaufenthalten Gewalt erfahren haben. Sie schildern Schläge und brutale Bestrafungen, Freiheitsberaubung, psychischen Terror und auch sexuellen Missbrauch durch die Betreuer:innen. Verschiedene Träger – wie Kirchen, Jugendfürsorge, Gesundheitsämter oder Krankenkassen – veranstalteten solche Kinderkuren und organisierte Gruppenferien. Oftmals wurden sie vom Arzt verschrieben. Über die wohl etwa 800 Kinderkurheime in Deutschland gibt es bisher keine gesammelte Aktenlage. Wer hat daran verdient? Wer hat die Heime geleitet? Mit welchen Interessen? Die Aufklärung befindet sich noch am Anfang. Mittlerweile steht aber fest, dass mindestens drei der Heime von Alt-Nazis geführt wurden. Doch bevor die Aufarbeitung dieser Zeit weitergehen kann, müssen sich zunächst die Verschickungskinder von damals an die schmerzhafte Zeit zurückerinnern. Reporterin Katja Döhne trifft in dieser Reportage mehrere Menschen, die über ihre Zeit in den Heimen sprechen. Was ist damals in den Kinderkurheimen geschehen? Und was hat das mit unseren Eltern und Großeltern gemacht?

Reporter: Katja Döhne
Kamera: Ilhan Coskun

Schnitt: Katja Döhne

Musik: Eminem Feat. Lil Wayne – No Love // Apocalyptica – Beautiful // Apocalyptica – Spiral Architect // The Great Karaoke Crew – Love the way you lie (originally performed Eminem)// Apocalyptica – Rise // Karaoke Masterpieces – Piece by Piece (originally performed by Kelly Clarkson) // Linkin Park – Somewhere I Belong // Harp Player – Love the way you lie (instrumental) // Ameritz Karaoke Entertainment – Disarm (originally performed Smashing Pumpkins)

►Hilfsorganisationen:
Initiative Verschickungsheime:
116111 – Die Nummer gegen Kummer
0800 111 0 111 – TelefonSeelsorge in Deutschland
Gegen sexuelle Gewalt!:
Anlaufstelle, für Männer*, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren:
Kind im Zentrum:

►Weiterführende Infos:
ZEIT: Kinderkuren – Papas Reise ins Dunkel

Deutschlandfunk: Heimerziehung – Abltraum Kinderkur
Oberhessische Presse: Das stille Leid der Verschickungskinder

taz: Verschickungskinder in Westdeutschland. – Ohrfeigen, bis alle still sind

tagesschau: Kindererholungskuren – „Psychoterror und Folter“

Spiegel: Misshandlungen in Ferienheimen – Macht was bitte!

ZEIT: Warum Hitler bis heute die Erziehung von Kindern beeinflusst


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23 thoughts on “Wurden Deine Eltern verschickt? Missbrauch in den Ferien

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    ————
    Hier geht's zum Q&A: https://youtu.be/5d3VwmJW1h8

  2. Ich war als Kind in einem Ferienlager der AWO in Hasenheide. Ein Junge ist beim Schwimmen im Fluss fast ertrunken, wir wurden nachts an Bäume gebunden wenn wir laut waren, das Essen er schlecht (glücklicherweise war ich damals ein absoluter Allesesser). Wir haben zu Zehnt in Stockbetten geschlafen, die Betten waren voller Ameisen. Wir haben dann angelutschte Bonbons unten an die Bettpfosten gelegt. Ich war mit meiner Cousine da. Ich war so 10, die „Betreuer“ vielleicht 14 und total überfordert.

  3. 125 Dislikes. Sind das die letzten 125 Nonnen und Pfleger, die noch leben und das nicht wollen, daß ihr Wahnsinn veröffentlicht wird.

  4. So wurde die Bevölkerung mundtot und kognitiv gelähmt gemacht. Satanisch sowas. Das Nazisystem ist nur verdeckt worden. Giftige Institutionen

  5. So wurde die Bevölkerung mundtot und kognitiv gelähmt gemacht. Satanisch sowas. Das Nazisystem ist nur verdeckt worden. Giftige Institutionen

  6. Ich kenne so Geschichten von meinem Vater. Der immer erzählt hat, dass als er in Kur war, er z.B. den Pudding nicht mochte weil er abgebrannt war, er musste ihn trotzdem essen, hat dabei alles wieder ausgekotzt und musste dann das ausgekotzte wieder essen, bis der Teller leer war. Daher durfte ich als Kind nicht in Kur fahren, weil mein Vater so traumatisiert war davon.

  7. Meine Mutter hat mich mit 8 Jahren zu den Pfadfindern geschickt, das war die schönste Zeit in meiner Kindheit (7 Jahre insg.) 💙 Habe solch ein Glück in der "heutigen Zeit" aufgewachsen zu sein. Pfadfinder sin in der Regel Jugendgruppen die sich selber organisieren und auch mal einige Wochen im Sommer unterwegs sind. Bei mir war es der "BdP" https://www.pfadfinden.de/ dort könnt ihr eure Kinder mit gutem Gewissen alleine lassen, wenn sie das möchten. Gut Pfad

  8. Erschreckend, wie weit diese Mentalität damals offenbar verbreitet war man müsste Kinder durch Gewalt, Demütigung, Zwang usw. "erziehen" und wie stark das ganze wahrscheinlich bis heute nachwirkt und über Generationen weitergegeben wurde.
    Selbst ich als 1995 geborener kann mich noch erinnern wie uns eine strenge Lehrerin auf einer Klassenfahrt ca. 2004 zum Essen gezwungen hat.

  9. Warum meinte man denn damals Kinder die gesund sind auf eine "Kur" schicken zu müssen? Dachte man weil ein Kind schlank/mager ist wäre es krank und müsste "geheilt" werden indem man sie zum Essen zwingt? Anstatt einfach zu akzeptieren dass manche Menschen eben von Natur aus schlanker sind und andere von Natur aus fülliger. Als würde man gleich verhungern wenn man schlank ist.

  10. Ich bin Jahrgang 1944. Da ich in meinem Elternhaus viel Gewalt erlebte, hab ich an diese schrecklichen Heimaufenthalte gar nicht mehr gedacht. Ich habe es so erlebt, daß die Erzieherinnen mich ablehnten. Ich bin hochsensibel, d.h. auch geräuschempfindlich. Nachts mußten alle Türen aufstehen, und auf dem Gang saß eine Erzieherin, um zu überwachen, ob irgendwo geredet bzw. geflüstert wurde. Dann fing sie an, herumzuschreien, wodurch ich jedes Mal aufwachte. Ich bat in einem der (natürlich zensierten) Briefe meine Eltern um Ohropax. Von da an wurde ich zum Gespött der Erzieher. Weiterhin hatte mein Vater den Erzieherinnen gesagt, daß ich nicht zunehmen muß wie viele, sondern da bin, damit ich als Einzelkind mit andern Kindern zusammenkomme. Es galt aber als Kurerfolg, wenn das Kind zugenommen hatte. Und so mußte ich beim Essen neben einer Erzieherin sitzen, die mich zwang, soviel zu essen, daß mein Bauch weh tat und ich mich danach kaum die Treppe hochschleppen konnte. Zum Frühstück gab es nichts zu trinken, sondern nur eine Menge Butterbrote. Ich esse schon lange überhaupt kein Brot mehr. Am Ende der Kur war ich fett und aufgedunsen. Ich kenne eine Sozialarbeiterin, die ein solches Heim leitete und Verfechterin der Prügelstrafe ist. Eine grobe, dumme Person

  11. Im Kinderheim in Bingen, spendierten damals Großkonzerne wie IBM aus Mainz den Waisen Geschenke. Diese durften für die Lokalzeitung und das obligatorische Foto unter dem Weihnachtsbaum liegen, wurden aber nicht verteilt, sondern von den Schwestern mitgenommen, für die "armen Kinder in Äthopien" … In Bingen muß es sexuellen Mißbrauch gegeben haben, weil ich 3 Leute von dort kenne, die von Mißhandlungen und schlimmer gesprochen haben, aber nicht darüber reden können oder wollen.

  12. Ist mir auch passiert, allerdings nicht ganz so schlimmes. Ich war 6 Wochen zur Kur, als meine Mutter mir ein Päckchen schickte, öffnete die "Tante" das, schaute mich an und bedrohte mich mit Worten, ihr etwas anzubieten. Ich durfte mir dann eine Kleinigkeit nehmen und der Rest wurde an alle Kinder verteilt. Ich hatte gar nichts davon. Dann wurde ich mehrmals in die Ecke gestellt, wir mußten Mittagsschlaf machen, mit einer Erzieherin vor der Tür. Am schlimmsten war für mich, dass ich Sonntags nicht in den katholischen Gottesdienst durfte, weil ich die falsche Religion hatte und evangelisch war, ich würde das Gotteshaus entweihen. Es klingt alles nicht so schlimm, wenn ich es hier schreibe, aber es war kein Kuraufenthalt, sondern eher wie ein gepflegter Gefängnisaufenthalt. Briefe wurden zensiert, ich mußte Sätze umformulieren. Zu sexuellem Mißbrauch kam es nicht, weder bei mir noch bei anderen, zumindest habe ich nichts mitbekommen. Ich habe keine gute Erinnerung daran und kam mit 12kg Übergewicht zurück, weil ich dort so unglücklich war und nur gegessen hatte. Meine Mutter war entsetzt.

  13. Mein Vater war in den 80gern mehrfach auf abmagerungskuren für junge Kinder und hat mir ähnliches darüber erzählt.
    Das passiert einfach immer wenn man Erwachsenen die Macht über eine Gruppe Kinder gibt. Das endet nie gut.
    Schade ist auch das Mitarbeiter beim Jugendamt und in solchen Einrichtungen und sowas, die werden ja nie getestet ob die nicht nen Schaden haben, Drogen nehmen oder sonst irgendwie eben ungeeignet sind.
    Bis heute hat sich da leider wenig geändert. Kinder werden aus ihren Familien genommen und landen bei Pflegeeltern die dann ihre methadon Tabletten rumliegen lassen.

    So ist das heutzutage und so war das damals. Schrecklich ist auch das die Täter einfach geschützt werden. Niemand wird bestraft, niemand muss seine Taten bereuen.
    Das zeigt ja schon das solches vom Staat nicht nur geduldet sondern auch gefördert und gefordert wird.

  14. Ich war damals mit 5 Jahren an der Nordsee. Ich durfte keinen Kontakt zu meinen Eltern haben. Wir mussten damals alles Essen was auf dem Teller war. Und wenn ein Kind nicht mehr konnte, mussten alle solange sitzen bleiben, bis der letzte Bissen weg war. Ich erinnere mich leider nicht mehr an alles, nur dass ich dadurch eine Persönlichkeitsstöung und eine Magersucht entwickelt habe.
    Ich war jetzt gearde total geschockt und durcheinander. Ich hatte keine Ahnung, dass es mehr Menschen gibt, die betroffen sind.

  15. Ich muss gestehen ich empfinde die geschilderten Situationen nicht als ungewöhnlich oder potentiell traumatisierend. Kann es sein, dass diese 'selbsthilfegruppen' eher das Gegenteil erzielen und vorher als nicht ungewöhnlich wahrgenommene Situationen als 'schlimm' 'missbrauch' oder 'traumatisierend' bezeichnen und dadurch erst diese Denkweise des 'Opferseins' der 'Betroffenen' entsteht?

  16. ich werde nie verstehen aus welchen beweggründen auch ein arzt diese kuren anordnen kann … mit dem wissen, was da passiert … unglaublich

  17. Ich bin wirklich schockiert! Ich habe gerade erfahren, dass mein Onkel auch "verschickt" wurde. Ich hoffe, dass ihm diese grauenvollen Erfahrungen erspart geblieben sind.. es ist wirklich grauenvoll!!

  18. Ich war in den 60er Jahren als Kind dreimal 6 Wochen in so einer Kur (wg. Asthma), mein jüngerer Bruder zweimal (wg. Allergien). Ich war dabei zweimal in Puderbach im Westerwald, davon einmal zusammen mit meinem Bruder, und einmal – wieder zusammen mit meinem Bruder – in Wenningstedt auf Sylt. Soviel ich weiß wurden die Heime damals vom Eisenbahnhilfswerk entweder betrieben oder beauftragt, und unsere Kuren wurden vom Eisenbahnhilfswerk bezahlt, da mein Vater damals bei der Bahn beschäftigt war, bezahlt.
    Weder mein Bruder noch ich können uns an irgendwelche schlimmen Dinge dort erinnern. Im Gegenteil, wir haben beide sehr gute Erinnerungen an diese Kuren und die Erinnerung daran ist durchweg positiv geprägt. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mich nach der ersten Kur immer auf die weiteren Kuren gefreut habe.

  19. Vielen Dank für diesen Beitrag. Der auch ein ziemlicher Trigger für Betroffene sein kann. In der DDR wurden wir als Kinder auf den Kuren ebenfalls gnadenlos und unwürdig behandelt und gedemütigt. Die Eltern hatten keine Chance einzugreifen. Alle Dokumente sind verschwunden bzw. wurde die Dokumentation nicht durchgeführt, so dass es keine Möglichkeit der Klage oder nachträglichen Strafverfolgung geben kann. Alles Liebe und nochmals vielen Dank.

  20. Ich war noch zu Beginn der 90ern in St. Peter Ording (Tannenblick hieß es) Niemals würde ich meine eigenen Kinder wegschicken. Es war einfach nur furchtbar, mehr möchte ich hier nicht schreiben. Mir ging es nicht alleine so. LG Marco

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