Postwachstum und Grundeinkommen – Teil II: Reaktionen auf die Kritik von Niko Paech

Ausschnitte der Abschlussveranstaltung der Hamburger Utopie-Wochen am 10. Mai 2014.

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3 thoughts on “Postwachstum und Grundeinkommen – Teil II: Reaktionen auf die Kritik von Niko Paech

  1. In der Politik fehlen die Visionen für unsere Welt! Das erst vor 10 Monaten gegründete Bündnis Grundeinkommen, die BGE Partei hat es geschafft als eine von den 10 in allen Bundesländern wählbaren Parteien vom Wahlleiter für die Bundestagswahl am 24. September zugelassen zu werden. Sie bietet als monothematische Partei den Befürwortern eines bedingungslosen Grundeinkommens die Gewähr, dass ihre Zweitstimme nach der Wahl von einer künftigen Regierung nur für diesen Zweck gewertet werden kann, weil mit dieser Stimme keine unbekannten Parteisoldaten gewählt werden sollten, die von den Parteileitungen als Stimmvieh benutzt werden können, sondern mit dieser Stimme sollte der künftigen Regierung ein Auftrag erteilt werden.
    Denn die Kandidaten der BGE-Partei kleben nicht an ihren Stühlen, wie bei fast allen anderen Parteien, weil sich diese Partei laut Satzung nach der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens wieder auflöst.
    Dagegen sollten  mit der Erststimme – wie bisher – Persönlichkeiten des eigenen Vertrauens gewählt werden, die man persönlich kennt und fragen kann, wenn man ihre Politik nicht versteht.
    Es lohnt sich jetzt wieder zur Wahl zu gehen, weil man mit seiner zweiten Stimme etwas bewegen kann und mit der Einführung des Grundeinkommens nach den 4 bekannten Postulaten des Netzwerkes Grundeinkommen in einer Höhe, die der Leistung der deutschen Volkswirtschaft entspricht wird die Vorgabe unseres Grundgesetzes nach der Unantastbarkeit der Würde des Menschen erfüllt und darüber hinaus, die mit dieser Forderung verbundenen höchsten christlichen und ethischen Werte. Damit kann Deutschland auch als Beispiel für andere Länder dienen und diesen eine Vision für eine empathische Zukunft bieten.

  2. Sascha Liebermann hat einen Kommentar zu der Aussage von Niko Paech geschrieben:

    — Zitat —
    _"In diesem Videozusammenschnitt von den Hamburger Utopie-Wochen 2014 reagiert Niko Paech, Befürworter einer Postwachstumsökonomie, auf das von Ulrich Schachtschneider vertretene „Ökologische Grundeinkommen“. An einer Stelle wird Paechs Haltung zum BGE besonders deutlich (ab Minute 5:40). Wenn „ich“ Geld erhalten will, „dann muss ich auch verdammt noch mal den Arsch hochkriegen und selber in dieser Maschinerie irgendwie Leistung erbringen“. Das sei nötig, weil der Bezieher sonst in einem Schlaraffenland lebe, was naturwissenschaftlich nicht möglich sei.

    Paech gibt damit zu erkennen, wie er Leistung entstehen sieht, nämlich durch sanktionierbare Verpflichtung. Wer nichts tut, aber sehr wohl könnte, der erhält eben nichts – ausgenommen sind Fälle wie z.B. eine alleinerziehende „Frau mit zwei, drei Kindern oder was“. Damit bewegt er sich im Geiste heutiger Sozialpolitik. Dies mag auch der Grund dafür sein, wie er in seinen Ausführungen den Zusammenhang von BGE und Konsum vollkommen überzeichnet, als gehe es beim BGE vor allem darum, Geld zu erhalten, um mehr konsumieren zu können. Sein Leistungsbegriff ist der heutige, der Leistung offenbar nur als Beitrag zu Erstellung von handelbaren Gütern- und Dienstleistungen versteht. Dass aber die Bürger in einer Demokratie, auf die er sich durchaus bezieht, ihre Stellung und Bedeutung gar keiner Leistung verdanken, sondern der Zugehörigkeit zum Gemeinwesen, müsste ihm im Grunde zu denken geben. Denn die Stabilität eines Gemeinwesens hängt entscheidend davon ab, ob die Bürger nicht durch sich dem Recht unterwerfen, es als Randbedingung akzeptieren, sondern die politische Ordnung auch aktiv tragen, dem Gemeinwesen sich verbunden fühlen im Sinne des modernen Staatsbürgerschaftsverständnisses. "_

  3. Der Kapitalismus hat ein Wertesystem geschaffen in dem materieller Reichtum, zumeist erworben durch Egoismus und Opportunismus die neue Definition von Erfolg darstellen, während das Gemeinschaftsdenken und der eigene Beitrag an einer besseren Gesellschaft immer mehr in den Hintergrund rücken. Es werden Fußballer bejubelt, die fürs spielen Millionen beziehen und Banker in ihren teuren Autos bestaunt. Ist ein Fußballer der im Jahr Millionen verdient wirklich erfolgreich, obwohl er keinerlei gesellschaftliche Probleme löst? Ist ein Banker wirklich erfolgreich, obwohl sein auf Zinsen basierendes Kreditsystem das Volk bestiehlt? Kaum einer fragt sich heute noch "Was kann ich für die Gemeinschaft in der ich lebe tun, um diese zu verbessern?" kaum einer wird dafür noch bewundert, der auf die Straße geht und eine bessere Gesellschaft fordert. Stattdessen schlägt die Ignoranz für existierende gesellschaftliche Probleme immer weiter in die Höhe. Es ist fundamental falsch, Erfolg durch monetären oder materialistischen Besitz festzumachen. Oft wird unterbewusst vermutet, dass ein Millionär etwas sehr wichtiges für die Gesellschaft geleistet haben muss. Tatsächlich aber ist es so, dass die große Mehrheit ihren Reichtum erhalten haben, in dem diese nicht eine kreative Leistung erbracht haben, sondern finanztechnische Mechanismen ausgenutzt haben, welche keinen gesellschaftlichen Wert haben. Die Arbeit an Ingenieurkunst, Problemlösungsfindung und Kreativität wurde fast immer von Angestellten in den niedrigeren Gehaltsebenen des Unternehmens geleistet. Dieses falsche Wertesystem zerstört nicht nur die Innovation und die Suche nach Problemlösungen (sofern die keinen monetären Profit erbringen) es ermutigt auch noch die Kapitalisten in ihrer Handlungsweise, in dem es die kapitalistische Denkweise unabhängig von dem wirklichen gesellschaftlichen Mehrwert oder den Kosten für die Umwelt aufgrund eines hohen Status rechtfertigt.

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