Langzeitstudie – Grundeinkommen

18.08.20

Wie wirkt sich ein bedingungsloses Grundeinkommen auf den Arbeitsmarkt aus? Das wollen Forscherinnen und Forscher in einer Langzeitstudie herausfinden. Der erste Schritt: Menschen finden, die mitmachen.

Sie ist Jahrzehnte alt, die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. In die Tat umgesetzt, ließe sie sich so zusammenfassen: Der Staat überweist monatlich einen festen Betrag an alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von deren Kontostand – und vor allem: ohne Gegenleistung.

Kann so die Zukunft unseres Sozialstaats aussehen, der Weg zu einer gerechteren Gesellschaft, in der Existenzängste keine Rolle mehr spielen? Oder ist das bedingungslose Grundeinkommen nichts als Träumerei, zu teuer, mit der Folge, dass kaum noch jemand arbeiten geht?

Was beim Austausch solcher Argumente schlicht fehlt, ist eine wissenschaftlich fundierte Grundlage. Genau die soll nun mit einer groß angelegten Langzeitstudie auf den Weg gebracht werden. Ziel ist es, herauszufinden, welche Auswirkungen ein bedingungsloses Grundeinkommen auf den Arbeitsmarkt hat, wie sich Menschen dann verhalten. Kündigen sie ihre Jobs? Gehen sie in Teilzeit? Machen sie sich selbstständig?

Um Antworten zu finden, haben sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und der Verein “Mein Grundeinkommen”, der seit 2014 für die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens wirbt, zusammengetan.

Gemeinsam haben sie ihr Vorhaben in Berlin vorgestellt. “Diese Studie ist eine Riesenchance, um die uns seit Jahren begleitende theoretische Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen in die soziale Wirklichkeit überführen zu können”, sagte DIW-Forscher Jürgen Schupp.

“Wir wollen wissen, was es mit Verhalten und Einstellungen macht und ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen”, sagte Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins “Mein Grundeinkommen”.

Die Forscherinnen und Forscher haben ein ehrgeiziges Ziel: Für ihr Projekt wollen sie bis zu eine Million Menschen anwerben, und zwar Menschen in allen Lebenslagen, von der Angestellten bis zum Arbeitslosen, vom Rentner bis zur Selbstständigen. Die hohe Zahl ist den Initiatoren zufolge notwendig, um einen möglichst vielfältigen Teilnehmerkreis bilden zu können. Einzige Bedingungen: Mindestens 18 Jahre alt müssen die Bewerber sein und einen Wohnsitz in Deutschland haben.

Das bedeutet aber nicht, dass nun Hunderttausende im Land mit einem zusätzlichen monatlichen Geldeingang rechnen können. An der Studie teilnehmen sollen letztlich nur 1500 Menschen. Und nur 120 davon erhalten ein monatliches Grundeinkommen in Höhe von 1200 Euro monatlich, drei Jahre lang.

Die übrigen 1380 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie dienen als Vergleichsgruppe. Damit soll sichergestellt werden, dass Effekte auf den Arbeitsmarkt, die in der Studie beobachtet werden, auch tatsächlich auf das Grundeinkommen zurückzuführen sind. Bezahlt werden soll die Studie aus Spenden von rund 140.000 Privatpersonen.

1200 Euro im Monat, das sind 14.400 Euro im Jahr – die Forscherinnen und Forscher haben diese Summe bewusst gewählt. Sie liegt, wenn auch knapp, oberhalb der sogenannten Armutsschwelle, die das Statistische Bundesamt regelmäßig berechnet.

Für Alleinstehende liegt dieser Wert derzeit bei gut 13.600 Euro im Jahr. Das heißt, wer in Deutschland im Jahr weniger als diese Summe zur Verfügung hat, gilt als arm.

Erste Erkenntnisse zur Wirkung eines bedingungslosen Grundeinkommens gibt es unter anderem aus einem Experiment in Finnland. Die Regierung dort hat in den Jahren 2017 und 2018 probeweise jeden Monat 560 Euro an 2000 zufällig ausgewählte Langzeitarbeitslose ausgezahlt – steuerfrei und bedingungslos.

Die Bilanz, die Finnland erst vor wenigen Monaten präsentiert hat: Wer zum Kreis dieser Menschen gehörte, dem ging es oft besser, das sichere Einkommen wirkte sich positiv auf die Psyche aus. Aber, und das ist der Knackpunkt: Bei dem Experiment in Finnland konnten die erhofften, positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt nicht explizit nachgewiesen werden.

Und Deutschland? Berlin hat im Jahr 2019 ein Experiment gestartet, das nach Grundeinkommen klingt, aber so richtig keines ist: Das sogenannte “solidarische Grundeinkommen”, wie es in der Hauptstadt immer noch angeboten wird, ist an Bedingungen geknüpft und vielmehr eine Art Jobvermittlungsprogramm.

Bis zu 1000 Arbeitslose sollen so in kommunalen Betrieben beschäftigt werden, in der Kita zum Beispiel, im Nahverkehr oder bei Wohnungsbaugesellschaften. Bezahlt wird dann der Mindestlohn.

Gut die Hälfte der Deutschen befürwortet ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie des DIW aus dem vergangenen Jahr.

Quelle
https://www.tagesschau.de/inland/grundeinkommen-studie-101.html

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23 thoughts on “Langzeitstudie – Grundeinkommen

  1. Ich find es schwer zu sagen, ob diese Studie beweisen kann, wie das bedingungslose Grundeinkommen über Jahrzehnte eine Gesellschaft beeinflussen kann, da es doch extrem wenig Testpersonen sind und das ganze nur über einen gewissen Zeitraum geschieht. Wäre ja nicht im Sinne von jemanden auf einmal wegen, meinetwegen 3 Jahren, Grundeinkommen plötzlich seinen Job zu kündigen. Da steht derjenige danach vielleicht richtig blöd da. Das müsste man Millionen Menschen von Geburt an geben und kann dann nach vielleicht 50 Jahren eine Bilanz ziehen, was sie aus ihrem Leben gemacht haben, und nicht aus dem Nichts einfach jemanden ins Leben werfen, da das nicht repräsentativ ist, oder? Ich denke es wird nachhaltig auch negativen Einfluss auf Menschen haben, den man erst nach Jahren sieht. Aber trotzdem sehr gut, dass alles jetzt herauszufinden und dass es diese Studie gibt.

  2. Willkommen im Geldsozialismus – wenn niemand für das Geld Leistung erbringt, ist es wertlos. Jene die es als zweites bekommen, können sich damit nicht mehr kaufen. Man denke nach, Geld entsteht nicht auf der Druckerpresse sondern, weil freie, unternehmerische Menschen sich überlegen, was für Angebote u.U. ein mögliches Bedürfnis befriedigen könnte. Man kann schlecht ein viertel einer Kuh gegen die Hälfte einer Uhr tauschen… Ein Grund warum Geld entstanden ist.

  3. Geld ist nur eine Regelung, Waren und Dienstleistungen zu verteilen und besitzt keinerlei Nutzwert. Und überhaupt, in einer Gesellschaft, in der die Menschen die Dinge, die sie benötigen, selbst erzeugen, braucht man kein Geld mehr. Ich sage nur: 3-D-Drucker, Erzeugung von Proteinpulver aus der Luft, Strom-Erzeugung mit Neutrino-Folie, klassische Genossenschaften (Landwirtschaft oder Wohnbau).
    Das BGE ist nur Zwischenschritt zu einer gerechteren, selbstbestimmteren und umweltschonenden Gesellschaft.

  4. Die Frage: "Darf ein Grundeinkommen denn aus ihrer Sicht eigentlich komplett bedingungslos sein oder braucht's doch so'n paar Grundbedingungen?" (4:44) ist ziemlich dämlich. Dann wär's ja nicht bedingunglos.

  5. Braucht doch keine Studie machen fragt doch einfach die blöden vom Bau die mit 1400euro nach Hause gehen und auch noch buckeln können wie die dummen. Fragt da mal nach wie es dehnen geht, bevor man Schmarotzern 1200Euro fürs nichts tun in den Rachen wirft 🤮

  6. Ja man muss ja jene die uns jahrzehntelang ausgebeutet haben auch noch mit dem Grundeinkommen stützen.
    Und die Armen Milliardäre und Millionäre auch.

  7. Gewinnwahrscheinlich-
    keiten bei den Auslosungen des Grundeinkommens:

    Bei der 1.000,-€- Variante ist die Gewinnwahrscheinlichkeit sehr viel höher oder niedriger, je nach Betrachtungsweise und den zugrundegelegten Prämissen:
    zwischen 1:600.000 oder 1: 30.000 oder auch nur
    1: 1.000 (da von durchschnittlich 600.000 Teilnehmern bereits über 600 gewonnen haben)!

    ————————

    Das Preisrätsel lautet:

    Wie hoch ist die Gewinnwahrscheinlichkeit, wenn man an beiden Verlosungen teilnimmt, dass man wenigstens eine Auslosung
    (die der 1.200.- € mit
    1: 8.333 oder die der 1.000,- €-Variante mit
    1: 1.000 Wahrscheinlichkeit) gewonnen hätte…?

  8. Der Grund warum Menschen gezwungen sind nicht mehr zu arbeiten, werden KI-Roboter sein, die alle Jobs besser können als der fehlerbehaftete und teure Mensch, auch alle die erst noch entstehen!

    "Auf der Tagesordnung ist das BGE diesmal wegen der Corona-Pandemie. Ein Grundeinkommen – sofern ausreichend hoch – soll nicht nur dafür sorgen, dass Menschen nicht gezwungen sind zu arbeiten. Es soll auch finanziell absichern, wenn Menschen gezwungen sind, nicht zu arbeiten.

    Dass Letzteres der Fall sein kann, haben die weltweiten Maßnahmen gegen das Virus gezeigt und manche zum Umdenken gebracht."
    https://www.derstandard.at/story/2000118064661/bedingungsloses-grundeinkommen-die-rueckkehr-einer-sozialen-utopie?ref=rss

  9. Wenn das Grundeinkommen kommt wandere ich weniger Jahre später aus. Geld fällt nicht vom Baum und jeder der meint: "Des wird ja von Steuern bezahlt!" Wer zahlt die wohl? Was passiert, wenn halb Europa einwandert um es auszunutzen? So eine Kurzzeitstudie mit einem beschränkten Auserwählten Kreis spiegelt keine Allgemeinheit wieder. Das funktioniert nur in einem Nationalistischen Staat.

  10. solange hier Parteien die mit C / S / F / A anfangen nur im Ansatz was zu sagen , wird ein wirkliches BGE nicht kommen . allerhöchsten ein neoliberales , dann werden die letzten Demos aber eher wie Karneval wirken , was dann abgehen wird wird dann eher einen Bürgerkrieg ähneln

  11. Das einzig schädliche am Grundeinkommen ist das Ende aller Ausbeutung, an sich…Schon seit Jahrzehnten produziert und erwirtschaftet die Menscheit weitaus mehr, also das Vielfache von dem, als das es zu konsumieren in der Lage, und das in allen Bereichen des Lebens.. Zum Beispielr wird jedes Jahr Weltweit Millionen an fahrtüchtigen Fahrzeugen aller Art verschrottet, oder gammeln vor sich hin, weil es keine Abnehmer dafür gibt, bzw. aber Millionen und Milliarden an Menschen "KEIN GELD" dafür haben, um das Nötigste für ihr tägliches Leben zu erwerben.. Während gleichzeitig eine Handvoll Multi Milliardäre Milliarden und Billionen an Dallars horten und nicht wissen wohin mit ihrem Teils ergaunertem Vermögen…
    Unser Wirtschaftssystem ist der Wahnsinn, " "der Wahnsinn" und drum gehört es in allen Bereichen des Lebens reformiert..
    Danke für das posten der Informationen

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