BGE: Precht, Marx und Butterwegge – WOHLSTAND FÜR ALLE Ep. 19

Die #Automatisierung und die #Digitalisierung schreiten voran und viele Experten befürchten, dass wir auf eine Massenarbeitslosigkeit zusteuern. Zugleich hat …

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29 thoughts on “BGE: Precht, Marx und Butterwegge – WOHLSTAND FÜR ALLE Ep. 19

  1. Ihr habt Precht nicht verstanden. Ihr erwähnt auch den Unterschied zwischen schwacher und starker Intelligenz nicht.

    Ich wette Precht's Antworten auf eure Einwende und Kritiken wären unglaublich interessant, denn wie ich Precht einschätze, ist er selbst sein größter Kritiker.

  2. Kommentar Nr. 2:
    Prechts Einstellung zur "Elternschaft nur für Gebildete, bzw. Gutverdienende"
    Den Sozialdarwinismus(Neoliberalismus), den ihr in der Aussage "Ich will nicht, dass Leute auf die "schöne" Idee kommen, wegen mehr BGE 5 Kinder zu haben."(vgl. Precht vs. Butterwegge, BGE)
    erkennt, ist möglicherweise nur dem 1. Blick nach ein solcher.
    Auf den 2. Blick könnte man auch interpretieren, dass er verhindern will, dass nur des Geldes wegen Kinder entstehen.

    Also eurer Annahme genau entgegengesetzt.

    Und um dem Realismus die Ehre zu geben: Wir haben bereits heute ein Problem mit einer verwahrlosten Kinderschaar, die keineswegs aus einem ehrlichen und innigen Kinderwunsch heraus
    entstand, sondern vielmehr aus einer Verzweiflung und Angst vor einer ungewissen Zukunft und zum Zwecke der Absicherung.
    Ein Phänomen, das man auch in vielen armen Ländern beaobachten kann.

    Zugegeben, es ist kompliziert, weil man auf der einen Seite die Zahl der möglichen Kinder vorgibt und auf der anderen eine realistische Grundlage für's BGE schaffen muss.
    Doch die drastische Veränderung der Lebenssituation durch Prechts BGE könnte auch der Resignation und Perspektivlosigkeit vorbeugen, sodass für viele "Pragmatiker" unter den Ärmsten
    der Kinderreichtum keine Option der Absicherung mehr darstellt und sie stattdessen eine konstruktivere, humanere Form der Selbstverwirklichung wählen(wie auch immer die aussehen mag).

    Schwieriger wäre es tatsächlich für Leute, die fünf oder mehr Kinder wollen. Für diesen Fall könnte man z.B. eine abgestuftes BGE etablieren: Z.B. halbes BGE für's 1.Kind und für jedes weitere
    eine Absenkung um 10%, sodass fünf Kinder gut zu realisieren sind, aber der monetäre Anreiz stetig abnimmt.

    Auf diese Weise könnte man einem ehrlichen Kinderwunsch entsprechen.
    Auch ist man viel freier in der Wahl des Wunschpartners, was zu stabileren und konstruktiveren Familienverhältnissen und somit zum Kindeswohl beiträgt(was allerdings nicht direkt zur Problematik gehört).
    Aber vllt. ist es ja auch gar nicht möglich, die totale Freiheit für einen Kinderwunsch ohne Begrenzung zu realisieren. In keinem System.
    Stattdessen sollte man sich evtl. an dem System mit der größeren Humanität orientieren.

    Precht sagt ja auch zu keinem Zeitpunkt, dass er ein komplett fertiges System zum BGE abliefere. Er setzt nur Rahmendaten, die seiner Meinung nach eingehalten werden müssen.
    Mit Sicherheit würde er zugeben, dass noch viele Details der Klärung bedürfen.

    Sehr unpopulär, aber dennoch nicht weniger relevant ist die Frage der Überbevölkerung. Das ist (noch) kein direktes "deutsches" Problem, aber auf jeden Fall ein indirektes und irgendwann auf jeden Fall auch ein direktes.
    Ich weiß, es ist Problematisch und "alle" schreien sofort "chinesische Diktatur", wenn dieses Problem zur Sprache kommt.
    Aber physikalisch determinierte Tatsache ist nunmal, dass diese Welt nicht unendlich viele Menschen beherbergen kann. Da kann man der Mutter mit stark ausgeprägtem Kinderwunsch
    nun soviel Liberalismus angedeihen lassen, wie man will, nur wird das irgendwann wegen reiner Sachzwänge eben nicht mehr möglich sein.

    Dann brauchen wir eine Geburtenkontrolle, weil davon nämlich der Grad der humanen Lebensweise für alle Menschen der Welt abhängt.

    Also könnte man Prechts Ansatz auch auf diese Weise missverstehen. Evtl. stellt er sich bereits diesem höchst unpopulären Thema, genau wie er sich der Frage der Umverteilung nähert, die er über
    die Finanztransaktionssteuer realisieren will, um daraus ein politisches Thema zu machen, das die totalitäre Ideologie des Eigentums unterwandert.
    Ihr habt vllt. recht damit, dass er einfach etwas weniger Widerstand erzeugen will, indem er "stromlinienförmiger" auftritt.

    Evtl. solltet ihr Precht mal einladen und umfassend erörtern.

  3. In eurer Folge mit der "Hyperinflation" sagt ihr, dass mehr Geld nicht automatisch zu mehr Inflation führt. In dieser Folge kritisiert ihr Prechts Ansatz des BGE und meint, dass 1500€ für jeden zu einem generellen Preisanstieg führten.
    Da ein genereller Preisanstieg aber nichtst anderes als Inflation ist, stehen eure Aussagen widersprüchlich zueinander.

    Überlegung:
    Ich persönlich sehe Inflation nicht als "Entwertung des Geldes", sondern als Warenverteuerung(nein, ist für mich nicht das Gleiche, weil Implikationen im internationalen Währungshandel entstehen).
    Geld an sich hat in meinen Überlegungen gar keinen Wert(vom intrinsischen wegen Material- und Herszellungskosten mal abgesehen). Niemals.
    Nur die Ware besitzt einen Wert, der sich bei wechselnder Verfügbarkeit ändert.
    Unter dieser Maßgabe betrachte ich Warenknappheit als zwingende Grundlage für Inflation.

    Jüngere Beispiele bestätigen meine Annahme: Russland, Sanktionen -> Warenknappheit-> Preisanstieg, von mehr Geld konnte keine Rede sein.
    Die Geldmenge in der Welt übersteigt ihr Bsp. um ein Vielfaches, trotz allem keine Spur von großer Inflation.

    Meine Theorie: Warenverfügbarkeit im Überfluss, in Verbindung mit den Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage selbst, verhindern Inflation.

    Denn der Warenpreis bestimmt sich doch über Warenverfügbarkeit. Warum sollte ich 2€ für ein brötchen zahlen, wenn der Bäcker 100m weiter es für 0.3€ anbietet?
    Wenn keine Knappheit herrscht, habe ich die Wahl und der Anbieter muss seine Preise nach unten korrigieren, was er stets versucht, um den Kundenkreis zu erweitern.

    Wenn Knappheit herrschte, gäbe es vllt. nur einen Bäcker mit Brötchen, wenn ich welche will, habe ich keine Wahl, ich muss 2€ zahlen (oder klauen).

    Ein weiterer Aspekt, den ihr evtl. zu wenig bedacht habt, sind die Produktionskosten, die bei Prechts BGE sinken könnten, da Firmen sich durch das vorhandene BGE erlauben könnten, weniger
    Lohn zu zahen, was zu verringerten Lohnkosten und somit geringerern Produktions- und Produktkosten führte.

  4. Ein paar Aussagen zum BGE sind wichtig und richtig. Jedoch wäre der notwendige Finanzumbau zur Verwirklichung mit Sicherheit nicht sofort auch nicht mit deren Einführung gleich abgeschlossen.
    Es ist aber Glaskugellesen wenn man meint, alle Effekte vorhersehen zu können. Der Millionär bekommt unter anderem deshalb auch ein BGE, damit Verteuerungen aus Vermögen die Legitimität als "Betriebsnotwendigkeit" entzogen wird. Das BGE ändert nicht nur Geldmechanik sondern auch Wirtschaftsmoral. Tatsächlich wäre Arbeitslosigkeit abgeschafft. Das bleibt leider immer nicht gewürdigt! Es geht darum Sozialarbeit zu Stärken. Darin liegt ja gerade so viel Gerechtigkeit. Butterwege ist ein Stänker ohne Weitsicht.

  5. Bei der Frage nach der Gerechtigkeit wird meiner Meinung nach ein entscheidender Punkt ganz oft übersehen: ohne irgendwie darauf einzugehen, wird offensichtlich immer unterstellt, dass jeder Mensch sich stets so verhält, dass er sein Einkommen maximiert, also das Maximum an Leistung erbringt, das möglich ist, um Einkommen zu erzielen. Dann kann man natürlich sagen, wer mehr verdient, ist offensichtlich leistungsfähiger, und wer wenig verdient, der hat halt nicht die Möglichkeiten, um mehr zu verdienen.
    Ich glaube dagegen, viele Menschen verhalten sich anders: wenn sie mit 50% oder weniger ihrer Maximalleistung auch den gewünschten Erfolg bekommen, dann machen sie auch nicht mehr. So wie in der Schule – viele Schüler sagen sich, Befriedigend ist doch völlig okay, alles andere lohnt den Mehraufwand nicht. Obwohl sie tatsächlich in der Lage wären, bessere Noten zu erzielen, während bei anderen ein "Befriedigend" der Erfolg maximaler Leistungsanstrengung ist.

  6. Stärkstes Argument mit dem Tauschwert – Geldlohn – dem Widerspruch der automatisierten Produktion (Digitalisierung und Robotic) und nicht mehr benötigte Arbeitskräfte. ab Minute 13:30

  7. Was gegen Ende erzählt wird, ist ja schon krasser Blödsinn. Precht sagt nicht, das ärmere Leute keine Kinder kriegen sollen, sondern nur, dass diese sie selber finanzieren müssen.
    Außerdem ist es ja vollkommener Quatsch, dass Leute die Kinder wegen 5x BGE bekommen, diese dann auch wirklich aufziehen.

  8. Prechts Argument für die Arbeitslosigkeit ist doch, dass alle vorherigen technischen Revolutionen mit einer Erweiterung des Marktes einhergingen. Diese Mal ist das in der globalisierten Welt nicht so und daher ist Arbeitslosigkeit warscheinlich. Leider wird auf dieses Argument nicht eingegangen

  9. Das ist natürlich schon ein Widerspruch wenn Precht zum einen den Zustand der Arbeitslosigkeit mit seinem BGE entstigmatisieren und sozial aufwerten und damit normalisieren möchte, wie er ja immer betont, und im selben Atemzug sagt diese Leute sollten aber dann trotzdem lieber keine Kinder machen. Sind das nun wertvolle Menschen für die einfach keine Arbeit da ist oder sind es doch "Versager" deren Nachkommen wir nicht brauchen? Ich habe ja schon einiges von Precht gesehen (allerdings nicht diese Podiumsdiskussion), aber diese Meinung überrascht mich dann doch.

  10. Es wird sowieso nie ein (bedingungsloses) Grundeinkommen geben, denn damit würde man die Daumenschrauben abschaffen, mit denen man Menschen zu mies bezahlten Jobs zwingt. Der real existierende Kapitalismus wird erst dann ultimativ zur Besinnung kommen, wenn er mausetot ist und das wird nicht mehr lange dauern 😉

  11. Ein Beispiel: In der Fleischindustrie wurden Maschinen eingeführt. Man sagte den Arbeitern dort, nun würde alles leichter werden. Das war zunächst der Fall. Alle waren zunächst froh über die Erleichterung, das Fleisch nicht mehr per Hand bewegen zu müssen, es lief an Haken an den Arbeitern vorbei…Jedoch wurde dann von den Arbeitern nach und nach schnelleres Arbeiten an den Maschinen verlangt, erst 10% schneller, dann 20% und schließlich 50% schneller…die Maschinen liefen immer schneller und schneller und die Arbeiter agierten im Takt der schnellen Maschinen, 8 bis 10 Stunden der gleiche Handgriff, der gleiche Schnitt, damit die Firma noch mehr Fleisch in noch weniger Zeit produzieren kann. Viele Fleischfacharbeiter haben mal ihren Beruf gemocht, sagten sie, nun allerdings sind sie frustriert. Oft arbeiten dort nur noch Menschen, denen nichts Anderes übrig bleibt, als dort zu arbeiten, weil es keine Sozialleistungen in den dargestellten Ländern gibt. War eine hochinteressante Dokumentation aus der Ukraine, die auf arte lief…eine Automatisierung schafft nicht immer Vorteile für die Arbeiter.

  12. Ach noch was: Precht sagt auch, dass aufgrund der Digitalisierung irgendwann alle Arbeitslos werden. Sagt dann aber, dass die dann beim Kinderkriegen aufgrund von Arbeitslosigkeit benachteiligt werden sollen… Ja, Precht ist ein ganz großer Philosoph.

  13. Zwei Einwände gegen bGE:
    – vllt ist es gar nicht so gut, wenn Leute sich alle ausprobieren können. Die die wirklich Talente und gute Ideen haben, haben die Motivation und finden Investoren ihre Ideen im Kapitalismus umzusetzen. Unter Umständen ist es gesellschaftlich vorteilhaft, dass talentlose Menschen durch Gehaltsanreize in die Bahnen gelenkt werden in denen sie noch vergleichsweise effizient sind. Man darf auch nicht vergessen, dass sehr, sehr viele Menschen eine Mentalität haben die eher mit wenig Verantwortung und intellektueller Anstrengung kompatibel ist.

    – Wer kann garantieren, dass mehr Geld nicht sofort zu Inflation führt und sich unterm Strich bei der realen Kaufkraft nichts verändert?

    Beim Thema Zeitersparnis hat Precht natürlich schon Recht und Marx Unrecht. Natürlich könnten Arbeiter bei gesteigerter Produktivität gleich viel arbeiten und immer mehr produzieren. Irgendwann kippt das System allerdings. Irgendwann ist Güter konsumieren weniger erfüllend als Zeit, Langeweile oder Spaziergänge zu konsumieren.
    Ob Prechts Aussage zum Kinderbekommen darwinistisch ist ist vollkommen irrelevant, weil er wahr ist und man Kinder vor asozialen Eltern schützt. Der Gedanke mag nicht schön sein, aber man muss als Gesellschaft auch in unangenehmen Situationen Realitäten akzeptieren und handlungsfähig bleiben.

  14. man kann nur nicht davon ausgehen, dass der Unternehmer die ver-hundertfachte Leistung des AN dauerhaft für das 100fache weiter verkaufen kann. Konkurrenzfähigkeit durch Preissenkungen zu heben, ist im Gegenteil ein wichtiger Antrieb für Produktivitätszuwächse.

  15. Der neoliberale Ansatz von Götz Werner dient einzig und allein dazu, die Warenzirkulation am Leben zu halten. Die kapitalistische Produktionsweise lebt davon, den Wert der Arbeitskraft zu konzentrieren und umzuverteilen, und zwar auch dann, wenn die Effizienz eines Produktionsprozesses so hoch angestiegen ist, dass die zur Herstellung einer Ware notwendige Arbeitszeit gegen Null konvergiert und damit stark an Wert verliert, womit also auch die reale Entlohnung der Arbeiter sinkt.

    Sorry für den folgenden, langen Text, aber ist ganz offensichtlich, denke ich:

    Im präindustriellen Frühkapitalismus wurde das hauptsächlich durch die Kolonien gestemmt, Sklaven waren billige Arbeitskräfte. Als dann die Industrialisierung kam, sorgte die rasche technologische Entwicklung dann dafür, dass die Produktivität anstieg und die einfache Arbeit kaum noch Wert hatte. Hier haben wir den Wechsel vom ersten in den zweiten Wirtschaftssektor. Gefragt waren nun nicht mehr einfache Arbeiter, Arbeit auf dem Land oder einfache Fließbandarbeit wurde armselig entlohnt. Stattdessen brauchte man fähige Techniker, Ingenieure, Erfinder, Naturwissenschaftler, also Menschen, die Maschinen konstruieren und in Stand halten konnten. Das Augenmerk lag auch nicht mehr auf natürlichen Rohstoffen, sondern auf industrielle Produkte, also Maschinenteile, Stahl, Motoren, Fahrzeuge, Elektronik, usw. Die Technik wurde immer besser und immer effizienter und man kam an einen Punkt, an dem die Industriegüter so günstig produziert werden konnten, dass auch ihr Preis stetig sank. Was also zu Beginn der Industrialisierung noch ein hoch komplexes mechanisches Bauteil war, gab es gegen Ende dieser Phase zu Spottpreisen, weil man alles mögliche in Hochleistungs-Massenproduktion fertigen konnte. Hier also gehen wir vom Industrie- in den Dienstleistungssektor über, begünstigt durch die politischen Verhältnisse, also der Verstärkung des internationalen Handels und neuen Kommunikationsmöglichkeiten wie der Funktechnik. Die Landwirtschaft läuft also, und die Fabriken laufen auch, aber was passiert, ist dass die technologische Entwicklung (auch wieder begünstigt durch die Industrialisierung, Schneeballeffekt) immer weiter voran schreitet und durch die dadurch entstehenden neuen Möglichkeiten mehr und mehr Dienstleistungen gebraucht werden. Die Bahn und später die LKWs stemmen den Warenverkehr, es gibt mehr Produkte zu verkaufen, man braucht mehr Verkäufer, es gibt mehr Möglichkeiten, Werbung zu machen, es gibt mehr zu managen, mehr zu überwachen, mehr zu kontrollieren, die ganze Verwaltung dehnt sich aus, durch den Wegfall der Kinderarbeit in den Fabriken können die Kinder zur Schule gehen, auch da braucht es Personal, weil das gesamte Bildungssystem auch den einfachen Bevölkerungsschichten zur Verfügung steht. Die Produktivität dieser Volkswirtschaften basiert zum ersten Mal mehr auf geistiger als auf körperlicher Arbeit. Gleichzeitig kommt dann die Expansion der Finanzwelt. Börsen, Versicherungen und Banken wachsen und brauchen mehr Personal, um den eigenen Betrieb am Leben zu erhalten. Und dann schließlich der Umbruch, in dem wir uns befinden, vom tertiären in den quartären Sektor. Computer übernehmen komplizierte Rechenaufgaben, Roboter erledigen auch komplexere Aufgaben, die bis dahin nur Menschen ausführen konnten, künstliche Intelligenz, usw, eben das, was auch im Video angesprochen wird. Und bei all dem konnte der Kapitalismus immer auf die Technologie setzen, aber immer bedingt dadurch, dass andere Menschen irgendwo die Drecksarbeit des vorherigen Sektors übernahmen. Als bei uns die Industrialisierung los ging, haben wir in den Kolonien hauptsächlich Landwirtschaft gehabt. Während bei uns der Dienstleistungssektor groß war, haben unsere Firmen günstig im Ausland produzieren lassen: die ganzen Manufaktur-Jobs aus den USA zB wanderten nach China, der Westen hat alles in Asien machen lassen, die Klamotten aus Bangladesh und Kambodscha und Indien und die ganzen Plastiksachen aus China usw. Ikea hat damals in der DDR produzieren lassen, heute sind die unter anderem in Nordkorea. Und die DDR musste sich darauf einlassen, weil sie auf Importe angewiesen war und deswegen an Devisen kommen musste, und das wurde dann über solche Fertigungen erledigt.

    Und solange der nächste technologische Umbruch nicht kommt, bzw solange der Dienstleistungssektor auf andere Länder umgelegt wird (was ja auch schon geschieht, mit Menschen aus Osteuropa oder den muslimischen Ländern, die dann einfache Arbeit übernehmen sollen. Und das ist auch der einzige echte Grund, warum die CDU unabhängig von den Flüchtlingen auch vorher schon Zuwanderung in entsprechendem Maße geduldet, bzw sogar direkt gefördert hat. Das hat mit Menschlichkeit nix zu tun, sondern es werden billige Arbeitskräfte für einfache Dienstleistungen gesucht. Taxi fahren, putzen, Schweinehälften zersägen. Sowas eben. Auch wenn ich unser Bildungssystem verabscheue, kriegen wir Westeuropäer doch im Weltvergleich eine sehr gute Bildung und haben dementsprechend hohe Qualifikationen, ergo eine höhere Produktivität. Wenn jetzt jemand aber aus Rumänien oder woher auch immer kommt, der in seinem eigenen Land keine Arbeit findet, weil die Wirtschaft nicht läuft, der freut sich immer gerne, wenn er in einem reicheren Land einen Job findet, würden wir alle genauso machen, alles gut. Nur wird das eben nicht offen kommuniziert, weil man eben nicht an die große Glocke hängen will, dass die meisten von uns systematisch in einem Hamsterrad leben), solange also jedenfalls diese Umlegung nicht stattfindet, solange droht das System zu brechen, weil die hohe Produktivität nur dann hohe Gewinne erzeugen kann, wenn die Menschen eine ausreichende Kaufkraft besitzen, was nicht der Fall ist, wenn ein Wirtschaftssektor, als eine Art und Weise, bestimmte Waren zu produzieren, erschöpft ist. Das heißt, wer in einer industriellen Gesellschaft noch von Hand webt, muss den Beruf wechseln, oder er wird vom Markt verdrängt. Wenn es aber für die große Mehrheit der Bevölkerung keine Möglichkeit zu wechseln gibt, weil nicht so viele Leute gesucht werden und/oder weil die eigenen Qualifikationen ungenügend sind, der muss eben lange Zeit mit einer geringen Kaufkraft auskommen. Wenn jetzt die Kaufkraft so sehr sinkt, dass nichts mehr gekauft werden kann, dann bleiben den Kapitalisten auch die Gewinne aus und es werden Menschen massenweise arbeitslos. Ein BGE ist aus der neoliberalen Perspektive also nur ein Mittel, um ein Mindestmaß an Konsum, also ein Mindestmaß an Sicherheit, zu garantieren. Und nur deshalb zahlen die Unternehmen dafür auch gerne Steuern, weil es eben um die eigene Zukunft geht. Eine Selbsterhaltungsmaßnahme.

    In den USA zB sind seit den 70ern die Reallöhne nicht mehr gestiegen, weil erstens Nixon und Kissinger Handelsbeziehungen mit China aufnahmen und China gegen Ende der 70er die Öffnungspolitik durchgesetzt hat, und somit die gleichen Löhne durch die günstigen Chinaprodukte eine größere Kaufkraft besaßen, und zweitens ganz einfach weil Frauen anfingen zu arbeiten, und die Familien somit zunächst eher von anderthalb, und später dann von zwei Gehältern leben konnten. Also das sind nur zwei Beispiele dafür, wie viele Möglichkeiten sich für den Kapitalismus auftun. Weil aber die Weltbevölkerung nun aber begrenzt ist, kann man nicht ewig neue Völker finden, die für einen aus eigener Sicht weniger produktivere Arbeiten verrichten können, das ist wieder die Geschichte mit dem Tellerwäscher und dem Millionär. Danke für's Lesen :p

  16. Neue Technologien bringen niemals mehr Arbeitsplätze. Das würde auch wenig Sinn machen und eine Senkung der Produktivität bedeuten.
    Die Definition von Produktivität ist ja: Produkt/Arbeitskräfteeinsatz=Produktivität. Je mehr Produkt per Arbeitskraft, desto höher die Produktivität.
    Das geht auf zwei Arten: entweder steigert man das Produktvolumen bei gleichem Einsatz von Arbeitskraft oder das Produktvolumen bleibt gleich, bei geringerem Arbeitskrafteinsatz.

    So oder so, die Grundlage der Produktivitätssteigerung ist immer ein wenigsten relativer Arbeitsplatzabbau. Nun ist die Produktivitätssteigerung ja oberstes Ziel im Kapitalismus, und somit auch ganz zwangsläufig der Arbeitsplatzabbau. Diesen "kann" man zwar durch ständiges Wirtschaftswachstum auffangen, allerdings ist ständiges Wirtschaftswachstum nur in den Köpfen von Leuten wie H.W.Sinn & Co. möglich. In der Realität sind wir bereits bei einer negativen Ressourcenbilanz, wir müssten die Wirtschaft also eher schrumpfen – eine Konsolidierung zur Ressourcenverträglichkeit.

    Der Wegfall von Arbeitsplätzen ist den neuen Technologien inhärent, nicht erst mit der KI, sondern seit dem Menschen die Produktivität Kraft ihres Verstandes und mit den resultierenden, technischen Mitteln erhöhen.
    Z.B. konnte die Weltbevölkerung erst wachsen, als die Produktivität in der Landwirtschaft gesteigert wurde und eine ausreichend große Nahrungsgrundlage entstand. Aber, wie gesagt, ist der (relative)Arbeitsplatzabbau grundlegend für die Produktivitätssteigerung.

  17. Geld kann man nicht essen. Geld ist keine Ware, Geld kauft Waren. Gibt man allen einen beliebigen Betrag X, gibt es deswegen nicht mehr Waren und wenn alle denselben Betrag X bekommen, dann ist nicht unbedingt zu erwarten, dass sich an der Verteilung der Waren etwas ändert. Was passiert ist eine Geldentwertung im Verhältnis zu den existierenden Waren: Mehr Geld kauft dieselbe Anzahl an Waren. Sonst könnte man ja auch einfach bei allen bestehenden Gelscheine eine Null anhängen und alle wären sofort reich. Der gesellschaftliche Wohlstand wird durch ein BGE definitiv nicht größer. Jeder, der Arbeitsleistung erbringt, die irgendjemand anders haben möchte, wird immer davon leben können, solange es nicht weiter zu einer Refeudalisierung / Monopolisierung kommt, bei der große Teile allen Besitzes auf wenige konzentriert sind, was ein riesiges Problem ist. Das BGE ist kein Schritt dahin die Ausbeutung von Menschen zu verhindern, sondern es werden nur die Profiteure der Ausbeutung geändert. Für den Bauern (als Beispiel) ist es egal, ob er die Früchte seiner Arbeit an einen Feudalherren abtreten muss, oder an die Gesellschaft ohne Gegenleistung "verschenken" muss, weil diese der Meinung ist, einen Anspruch darauf zu haben, von ihm durchgefüttert zu werden. Wenn der Gedanke weitergedacht wird, dass maschinell erzeugte Waren immer weniger Wert haben, dann werden sie doch so oder so für Jedermann einfach immer billiger. Ein BGE ändert daran doch rein gar nichts. Sprich: Wer sich die Mühe macht irgendetwas zu tun, was andere haben wollen, kann mit seinem Einkommen immer mehr industrielle Produkte kaufen. Und das ist doch genau, was der Realität entspricht. Es scheint doch eher die Qual der Wahl zu sein (oder der Gedanke daran, was man noch alles haben kann, oder glaubt haben zu müssen), die viele Leute verwirrt, als irgendein echter Mangel.

  18. Es gibt Untersuchungen zur Einführung neuer Technologien und der damit einhergehenden Schaffung neuer Industrie und Arbeitsplätze. Ergebnisse der Untersuchungen sahen meines Wissens so aus, dass sich seit Einführung und dem kräftigen Ausbau der integrierten Mikroelektronik das Verhältnis von wegegefallenen Arbeitsplätzen zu neu geschaffenen in Richtung der wegfallenden verschiebt. Die Mikroelektronik zerstört demnach wirklich Arbeitsplätze.
    Dass die Automatisierung als Problem aufgefasst wird, liegt doch daran, dass Waren produziert werden und eben nicht Gebrauchsgüter. Würden wir gesellschaftlich übereinkommen, dass alle mitarbeiten dürfen, um zu produzieren was alle brauchen, hängt der Grad der Automatiserung von denen ab, die die Arbeit leisten müssen. Dann brauchts auch kein Grundeinkommen mehr.
    Hr. Precht muss sich auch einer weiteren Sache bewusst sein. Die kapitalistische Prägung der Weltwirtschaft erzeugt erst die Probleme, die er mit dem BGE lindern will. Um ein BGE finanzieren zu können, ist beständig eine erfolgreiche (gemessen am Profit der Kapitalisten) kapitalistische wirtschaftende Industrie notwendig. Die Quelle seiner Sorgen muss am Leben erhalten werden, weil er sie als Quelle für den Ausgleich verwenden will. Das ist absurd.

  19. Ich finde viele eurer Kritikpunkte betreffen weniger das BGE als das viel mehr das System in dem sich dieses befindet. Doch es gibt ja auch Ansätze, die das BGE mit einem Systemwandel verknüpfen (s. Katja Kipping). Darum sollte man nicht das Konzept an sich kritisieren, sondern eher sehen von wem es stammt – wie ihr in eurem ersten Video zu dem Thema ja angedeutet habt.

  20. Ich finde es interessant wie ihr einerseits eingesteht, dass durch neue Technologien Zeit gespart wird, da man z.B. viel schneller recherchieren kann, aber andererseits behauptet ein Thermomix sei der Beweis dafür, dass wir sogar mehr Zeit durch Technik verschwenden. Das Problem scheint doch viel mehr unser Umgang mit Technik und die Gewöhnung an immer schnellere Prozessvorgänge zu sein (s. Beispiel Internet). Für mich ist das sehr mit unserer Wachstumsgläubigkeit verkoppelt. Warum sollte sich diese Einstellung aber nicht in Zukunft ändern?

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